Das staatliche Operntheater Alisher Navoj in Taschkent. 

Musikleben in Taschkent

Kulturmetropole im Osten.

Als die Nationalsozialisten im Juni 1941 ihren einstigen Partner, die Sowjetunion, überfielen, wurde aus dem westlichen Teil des Sowjetreiches in Sicherheit gebracht, was für den Erhalt des Landes als wichtig erachtet wurde. Und dazu zählten im Sinne der Ideologie auch Kunst und Kultur. Aus diesem Grunde wurden nicht nur kulturelle Einrichtungen und Institutionen wie etwa das Leningrader Konservatorium oder das Moskauer Jüdische Theater (GosET) Richtung Osten, tief ins Landesinnere der Sowjetunion, evakuiert, sondern auch einzelne Personen. Da die zentralasiatische Stadt Taschkent bereits vor dem Krieg ein wichtiges kulturelles Zentrum war, wurde diese Stadt nun endgültig zu einem Fluchtpunkt für zahlreiche Musiker:innen aus den westlichen Regionen der Sowjetunion. In Taschkent angekommen, wirkten die Evakuierten – auch in enger Zusammenarbeit mit usbekischen Musikerinnen und Musikern – im reichen musikalischen Leben der Stadt, das auch unter schwierigsten Bedingungen florierte.

Dennoch gibt es über diese Zeit nur wenig spezifische Informationen.

Archiv der Usbekischen Nationalbibliothek Alisher Navoj in Taschkent. 

Biographien

Die Jahre der Evakuierung - eine unterschlagene Zeit.

In vielen Biographien wird die Zeit der Evakuierung nur in einem (Halb-)Satz erwähnt, andere Biographien sind in den Wirren der Evakuierung komplett verloren gegangen. Dies betrifft nicht nur Musiker:innen aus den westlichen Regionen der Sowjetunion, sondern auch Kulturschaffende aus dem usbekischen Raum. Der Zeit der Evakuierung und dem Wirken und Zusammenwirken dieser Menschen wurde im musikwissenschaftlichen Diskurs bisher nur wenig Aufmerksamkeit gewidmet. In meiner Forschung mache ich es mir daher zur Aufgabe, die verkürzten und/oder vergessenen Biographien zu rekonstruieren. Dabei fokussiere ich mich zunächst – vor allem, um das gewaltige Forschungsfeld etwas einzufrieden – auf den Bereich des Musiktheaters, da dort verschiedenste Protagonist:innen zusammenwirkten.

Das staatliche Musik- und Dramatheater Muqimiy in Taschkent.

Orte

Die Menge der Orte, an denen Musik erklang ist faszinierend.

Das reiche Musikleben während der Zeit der Evakuierung spiegelt sich auch in den zahlreichen Orten, an denen Musik stattfand. Neben verschiedensten Konzertsälen, Theatern, Opernhäusern und Konservatorien wurde Musik auch an wechselnden Orten – und in den Sommermonaten zudem in den vielen Erholungsparks – gespielt. Deshalb will ich versuchen, eine Art „musikalische Stadtkarte“ des damaligen Taschkents zu erstellen, um zu zeigen, wo welche Musik in welchem Kontext erklang. Viele der Institutionen, in denen damals Musik stattfand, gibt es heute noch. Doch nicht zuletzt aufgrund des verheerenden Erdbebens im Jahr 1966, bei dem die Stadt schweren Schaden genommen hatte, haben sich die konkreten Orte des Wirkens innerhalb der Stadt meist verlagert. Mit Hilfe archivalischer Materialien hoffe ich, hier dennoch ein stimmiges „Stadt-Klang-Bild“ zu entwickeln.

Weitere Forschungsschwerpunkte

Musik und Symbolismus

Das deutsch-sowjetische Kulturabkommen und die Musik

Sowjetischer Zeichentrickfilm 

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